24.07.08 Baikalsk

Hallo Freunde,
 
Hab ganz vergessen zu erzaehlen das in Ulan Ude eines der groessten Lenindenkmaeler noch steht- ein riesiger Bronzekopf vor dem Rathaus errichtet aus Anlass des 100. geburtstages Lenins 1970 und das ist schon beeindruckend .
Ich war ja wie berichtet noch in dem grossen Freilichtmuseum weit ausserhalb Ulan Udes wo verschiedene Haeuser und Gehoefte und auch Jurten vergangener Tage ausgestellt sind und einen Einblick in das fruehere Leben in dieser Gegend vermitteln.
Auch gehoert ein kleiner Zoo zum Museum mitdazu wo die Tiere Sibiriens zur Schau gestellt werden, doch das ist doch nur mitleidserregend und stimmt einen traurig.
Wilde und so stolze freiheitsliebende Tiere wie Woelfe, Baeren, Adler, Fuechse, Tiger, Hirsche und Rentiere in zum Teil sehr enge Zwinger zu sperren ist einfach pervers und tut beim Hinschauen regelrecht weh und den Tieren geht es auch so....laufen von einem Eck ins andere oder springen gegen den Zaun.......ich hab im allgemeinen nichts gegen Zoos und Tierparks, aber doch nicht so; dachte und hoffte das ist ein Relikt aus der Vergangenheit und heutzutage werden die Tiere einigermasen artgerecht gehalten!!Denkste!
Ich bin mit dem Taxi und zusammen mit zwei rotzebesoffenen Russen zum Museum gefahren (wir teilten uns den Preis) und zurueck mit dem Bus.
In Ulan Ude fahren viele kleine Busse (12 Personen) und man bezahlt pro Fahrt 12 Rubel (35 Cent), egal wie weit man auf der jeweiligen Route mitfaehrt.
Das war in der Mongolei ganz aehnlich, nur noch etwas billiger udn mit grossen Bussen.
Im mongolischen Ulan Bator ist zudem jeder Autofahrer zugleich Taxifahrer. Man stellt sich an die Strasse hebt die Hand und augenblicklich haelt ein Auto und wenn das das selbe Fahrziel ungefaehr hat dann steigt man eben ein und wird mitgenommen und so ist beiden geholfen-eigentlich praktisch und man kommt rasend schnell von A nach B und billig dazu!
In China war bis vor kurzem Busfahren noch umsonst; jetzt kostet es auch einen kleinen Obulus und es spielt auch keine Rolle wie weit man auf der jeweiligen Linie mitfaehrt, in der U-Bahn ist es ebenso.
 Ich bin dann nach 12:00 Uhr gestern Richtung Baikalsee aufgebrochen und hatte einen wunderschoenen Radtag; Sonne und etwas Rueckenwind und flaches Terrain.
Traf dann Vater und Sohn aus Nordeutschland, die mir geraten haben doch ans Ostufer des Sees zu radeln weil dort die Straende so schoen und das Wasser waermer sei......
an der Abzweigung wo ich mich dann fuer einen Weg entscheiden musste blieb ich lange stehen und war ziemlich unschluessig, hab dann noch den reisefuehrer zu rate gezogen und wusste doch nich so recht wohin nun.
Und dann half Kismet oder das Schicksal mir in Gestalt von Anneliese aus Kaufbeueren, die kam naemlich mit ihrem einfachen Fahrrad und in Begleitung von ihrem Peter mir entgegen und schwaermte von Olchon und da wusste ich wohin es geht....zur Insel Olchon!!!Danke Anneliese; eine schon aeltere aber phaenomenal vitale Dame!!!
Am Abend hatte ich dann auch noch eine nette. nein-eine sehr nette Begegnung mit einem huebschen russischen Fraeulein.
Momentan ist hier die Haupternte der verschiedensten Wald- und Gartenfruechte und an der Strasse bieten unzaehlige kleine Staende ihre Ernteparcht an, etwa Heidelbeeren, Johannisbeeren und natuerlich Erdbeeren.
Und an jedem Eimer Erdbeeren an dem ich vorbeigeradelt bin lief mir das Wasser im Munde mehr zusammen und schliesslich erlag ich der suessen Versuchung und steuerte den Verkaufsstand von 2 Kindern an um mir ein paar leckere Fruechte zu kaufen, die jedoch erschraken voellig als ich kam und "vermittelten" mich gleich an den Stand nebenan und dort traf ich dann eine perfekt Englisch sprechende junge Dame und sie war auch ganz froh mal wieder ihr Englisch zu testen und als ich dann erzaehlte woher ich komme meinte sie :"dann koennen wir auch Deutsch reden" und sie erzaehlte sie sei 10 Monate in Darmstadt auf einem Stipendium gewesen und verdient sich nun beim Ernteeinsatz Geld um im Herbst wieder nach Deutschland gehen zu koennen. Eine interessante und kurzweilige Begegnung, die mir am spaeten Abend richtig gut tat, allein schon des Plauderns wegen.
Weniger angenehm verlief dann das Aufeinandertreffen mit den Mueckenschwarmen als ich nach einem Zeltplatz Ausschau hielt und mich schlussendlich fuer einen idyllisch lockenden Ort am Fluss entschied....doch es war die Hoelle; Moskitos ohne Ende und alles Einspruehen mit meinem Anti-Moskito Spray war nur von maessigem Erfolg und ich fuchtelte und huepfte staendig wie wild hin und her und rundherum und baute dabei das Zelt auf und verschwand augenblicklich darin......doch dann machte ich den verhaengnisvollen Fehler und zog am falschen Reisverschluss und in einem bruchteil von einer Mikrosekunde hatte ich dann prompt eine Horde von diesen nervtoetenden Steckmuecken im Zelt und die Jagd fand dort ihre Fortsetzung......
Gegen 1:00 Uhr kam ploetzlich ein Auto an diesen doch recht entlegenen Platz und ich war etwas angespannt ob des naechtlichen Besuchs zumal das Auto keine 50 Meter vom Zelt parkte und Motor und Licht abschaltete.....aber die Besucher entpuppten sich dann  als junges Liebespaaerchen (ich behalte fuer mich woran ich das erkannte...), die einfach auch ungestoert sein wollten und sich nach geraumer Zeit vergnuegt wieder verabschiedeten, zumal dann auch noch ein heftiges Gewitter und ein ebensolch heftiger Regen die Nachtruhe vollends erschuetterte und mich lange wach hielt.
Am Morgen fand das Mueckenmaertyrium beim Zeltabbau seine leidige Fortsetzung und ich beeilte mich aufs Rad zu kommen und moeglichst nirgends mehr anzuhalten denn sofort war ich wieder umschwaermt von ihnen.
Die Gegend ist uebersaet mit lauter Suempfen und Teichen und somit ideale Brutstaette fuer die Muecken und sie warten natuerlich nur auf hilflose Radler wie mich um  dann meutemaessig ueber einen herzufallen.
Jede Pinkelpause endet in einem blutkostenden Fiasko und da ist es dann besonders tragisch, weil pinkeln und huepfen und um sich schlagen gleichzeitig beim besten Willen nicht funktioniert; man ist den Bestien dabei hilflos ausgeliefert und die wissen das genau und stechen umso erbarmungsloser zu; ohweh!!!!!!!!!!!!
Doch im Laufe des Vormittags setzte Regen ein und entwickelte sich zu einem wahren Regenguss und es schuettete aus Kuebeln und auf der Strasse stand das Wasser und wenn ein Auto an mir vorbeifuhr bekam ich jedesmal einen maechtigen Schwall Wasser ab und da die Strasse ein staendiges Auf und Ab ist und wellengleich verlaeuft fuehlte ich mich wie auf hoher See und kann von Glueck sagen dass ich nicht seekrank wurde bei all den Wellen und all dem Wasser das mich trotz regenklamotten pitschpatschdurchnaesste.
Aber es gab 2 angenehme Dinge dabei zu vermelden: der Regen war zum Einen sehr warm und zum Anderen waren alle Muecken wie vom Erdboden verschluckt und ich konnte in Ruhe pinkeln und anhalten und niemand fiel ueber her....ach ich liebe Regen ueber alles!!!
Die Landschaft ist voller Buchenwaelder und wie gesagt sehr sehr feucht; viele Blumen bluehen und immer wieder tun sich phantastische Blicke auf den Baikalsee auf an dessen Ufer die Strasse ab dem nachmittag dann verlief.
Am Abend erreichte ich schliesslich Baikalsk, dort wollte ich Rast machen um nochmal zu versuchen mit meinen Maedels zu telefonieren.
Alle Welt ist ja mit Mobiltelefon ausgestattet und ueberall sieht man telefonierende Menschen umherlaufen aber um ganz schlicht und einfach von einem oeffentlichen Telefon nach Deutschland telefonieren zu koennen ist mega kompliziert und scheiterte die letzten tage immer wieder. So entschied ich mich fuer eine mueckenfreie Bleibe in einem Hotel, mailte die Telefonnummer des Hotels nach deutschland und tatsaechlich hat mich Jule dann dort erreicht und wir konnten lange plaudern und ich war einfach total happy danach!
Jetzt bin ich in Sludyanka und warte dort auf meinen Bummelzug nach Port Baikal wo ich einen Tag bleiben moechte um dann weiterzuradeln zur Insel Olchon!
Heute hab ich wieder strahlend blauen Himmel und ich hoffe ich kann am Abend noch ausgiebig baden; laut Reisefuehrer hat es an seenaehe auch kaum Moskitos.....ich berichte......
Und der Baikalsee ist wunderschoen blau und das Wasser sehr klar und frisch und man sieht weit hinab und drumherum hat es imposante Berge und zahllose Fluesse speisen den See mit ihrem Wasser und viele viele Camper sind mit ihren Zelten am Ufer und ueberall wird geraeucherter Fisch angeboten und......alles weitere erzaehle ich beim naechsten Mal.
 
liebe Gruesse
Hartmut