Liebe Freunde,
ich bin heute am spaeten Nachmittag in der mongolischen Stadt Shainsand angekommen und zwei wirklich extreme Tage liegen hinter mir.
Der Weg durch die Grenze war ja noch ganz witzig. Es ist naemlich dort nicht erlaubt per Fahrrad oder per Fuss von China in die Mongolei ueberzuwechseln, lediglich mit Bus oder Auto oder Truck und da half auch alles reden nichts.(it's the rule!!!)
Doch die Chinesen sind ja fuer alles bestens vorbereitet und helfen einem armen deutschen Radfahrer auch in solch Situation schnell weiter, indem sie mir einen der (natuerlich) nur zufaellig dort stehenden Autofahrer vermitteln -der ein grosse Auto hat in das auch das Rad passt- und der fuer diesen Grenzuebertritt satte 150 Yuan moechte.
Ich habe dann doch immerhin das ganze leidenschaftlich redend auf 100 Yuan (10 Euro) runtergehandelt und kam schliesslich vollends rasch in die Mongolei.
Dort Geld gewechselt und eingekauft und dann mich wagemutig auf mein Abenteuer in die Wueste Gobi aufgemacht und das sollte es dann auch wirklich werden.
Meine Reiseinfos fuer die Mongolei sind alle in dem Paeckchen das nach Peking haette kommen sollen und nun ja in Ulan Bator auf mich wartet und fuer diesen Teil der Reise hab ich mich daheim kaum vorbereitet, ich dachte dies kann ich von unterwegs und speziell von Peking aus dann machen und das war natuerlich absolut toericht von mir!
Bereits 2 km nach dem Grenzort hoerte die asphaltierte Strasse auf und ein Wirrwar an Wegen fuehrte hinaus in die Wueste.
Wie orientieren nun ?? An der Bahnlinie??
An der Himmelsrichtung???
Am besten fragen und da machte ich schon den ersten Fehler, denn ich fragte nach dem Weg nach Ulan Bator und nicht nach dem Weg in die naechste Siedlung und so schickten mich einheitlich alle in die selbe Richtung, die zwar etwas im Widerspruch zur angepeilten Himmelsrichtung und nicht den Bahnschienen entlang fuehrte, aber ich dachte wenn alle mir denselben Weg weisen wird der schon richtig sein!
Also radelte ich los. Der Juli ist der Hauptregenmonat der Mongolei und so ist die Wueste Gobi zum Teil jedenfalls von leicht gruenem Wuestengras bewachsen; vor allem aber sind die Wege oft von grossen Pfuetzen ueberflutet und das macht das vorankommen sehr schwer, zumal der nasse Sand dick am Reifen kleben bleibt.
Ist die Piste trocken dann hat man so ein Waschbrettmuster auf dem Weg und es hoppelt entsetzlich oder aber es liegt feiner Sand in den Spurlinien und da gilt es dann zu schieben weil die Reifen hoffnungslos einsinken.
Und es sind wahrlich nicht viele Menschen unterwegs in diesem Teil der Erde.
Das Radeln erforderte voellige Anstrengung und Konzentration!
Und immer wieder fuehren Wegabzweigungen ab und ich hab keine Ahnung welche ich waehlen soll und stehe oft nur da und raetsle wohin????Und entscheide mich dann nach der Himmelsrichtung!! Und wenn das nichts hilft warte ich bis irgendwann dann doch jemand vorbeikommt und radle dorthin wo man mir sagt.....und es sollte sich herausstellen das dies nicht immer ganz die richtige Richtung war!!
Ein paar mal ueberlege ich ernsthaft einfach umzukehren und den Zug zu nehmen......doch dann radle ich doch weiter, denke zurueck kann ich ja immer noch.....radle weiter hinein in die Wueste mit einem mulmigen Gefuehl und in der Unsicherheit ob ich auf dem richtigen Weg bin.
Zu allem Ueberfluss braut sich dann noch ein Gewitter zusammen und dunkle Wolken tuermen sich beaengstigend auf und Wind kommt auf und wird staerker und staerker.
Das Licht verfinstert sich zunehmend und Sand fliegt in der Luft umher.
Ich praepariere mich, ziehe mir die Regenjacke an, mache alles so gut es geht wasserdicht und sturmfest, ziehe mir die Sandalen an damit die Schuh trocken bleiben und suche mir einen Platz etwas entfernt von den Strommasten da die ersten Blitze zucken. Und es wird richtig dunkel durch den Sand den der Wind vor sich hertreibt und dann tauchen da ploetzlich auch noch aus dem Nichts zwei grosse Hunde vor mir auf."Huete dich vor wildernden Hunden", stand in einem Mongoleibuch...und das ausgerechnet jetzt...ich krame nach meiner trillerpfeife und dem Pfefferspray das ich extra fuer diese Zwecke mir besorgt hatte und lasse dabei die Hunde nicht aus dem Blickfeld;
erst kommen sie noch naeher doch dann drehen sie gluecklicherweise ab, vielleicht wegen des Gewitters oder weil sie keinen Apettit auf einen aengstlichen deutschen Radfahrer mehr verspuerten oder weil sie vielleicht ebenso viel Schiss vor mir hatten wie ich vor ihnen. Doch der Sturm wurde nun total heftig; ich stand mit dem Ruecken im Wind, mit gespreizten beinen fest im Sand und hielt mein Rad fest, der Wind johlte mir um die Ohren, Sand und dicke Regentropfen fielen auf mich , der Donner grollte und ich hatte einfach nur Angst, nackte Angst und ich dann machte ich einfach die Augen zu und dachte nur "es wird vorbei gehen, egal wie-aber es wird vorbeigehen; so wie beim Achterbahn fahren : Augen zu und warten bis es vorbei ist"! Und alles fest halten und es wird vorbeigehen und es wird bestimmt vorbeigehen............
Und es ging vorbei......und ich stand da mit meinem Rad und machte die Augen wieder auf als der Wind nachliess und sah wie der Sturm weiter in der Ferne seinen Schrecken verbreitete.....der Wind ebbte etwas ab und der Regen hoerte auf und anstatt nun umzukehren stieg ich wieder auf mein Rad und trottete weiter meines Weges....
Und wieder und wieder die Frage nach dem rechten Weg.....zu feige zum umkehren und zu feige um einfach drauflos zu radeln stand ich immer wieder einfach mitten in der Wueste im Nirgendwo und fuehlte mich verlassen und Allein wie noch nicht oft in meinem Leben und wartete und wartete......
und irgendwann kam ja dann auch immer jemand und wieder fuhr ich einfach dorthin weiter wo derjenige mich schickte wohlweislich dass ich mir nicht so sicher war ob derjenige mich auch richtig verstanden hatte!!
Dann hielt ein Jeep mit 3 Maennern und einem jungen Maedchen und wollten mich ein Stueck mitnehmen und ich willigte ein und der gefaehrlichste Teil der Reise begann.
Am Steuer sass der Vater des Maedchens und hatte seine Tochter (vielleicht 12 Jahre alt) auf dem Schoss die den Jeep steuerte; daneben sass der juengste und der war schon gut angetrunken und oeffnete staendig beim Fahren die Tuer und drohte rauszufallen bei der holprigen Fahrt und staendig war er am Wodka trinken und wollte dass ich mit ihm Bruederschaft trinke und mit ihm Lieder singe.......er wurde fast schon zornig weil ich ablehnte und schliesslich nippte ich kurz an dem Teufelsgesoeff damit er zufrieden war und sang mit ihm einige deutsche Volkslieder was ihn froh stimmte.
Die Fahrt indes war ein geholper von einem Schlagloch ins andere und mitten hiein in tiefe Pfuetze. Ich hielt krampfhaft hinten im Laderaum mein Rad fest und hoffte nur dass dies bald zu einem Ende kommen moege und meine Versuche die Fahrt etwas zu verlangsamen oder zu Beenden schlugen logischerweise fehl.
Schliesslich kam ein besonders heftiges Schlagloch und ich schlug mit dem Kopg maechtig ans Dach des Autos und die Brille rammte sich in mein Gesicht und ein Buegel zerbrach und ich hatte eine kleine Wunde neben dem Auge und auf dem schaedel- nicht schlimm aber weh tat es doch und das Auto kam voellig ab von der Piste und ich wartete schon darauf dass es uns nun ueberschlaegt, aber das passierte zum Glueck dann doch nicht.
Dieser Vorfall jagte aber dann doch alle den uebermut aus dem Sinn und vorallem der Vater des Maedchens besann sich seiner verantwortung und es ging in geruhsamerer Fahrt noch ein Stueck weiter bis ich dann aussteigen konnte, weil sich unsere Wege trennten.
Die Orientierung hatte ich durch diese Fahrt voellig verloren und wusste auch gar nicht mehr wieviele Kilometer ich im Auto sass und alles begann wieder von vorne.....welcher Weg??????
Ich begann den 23. Psalm zu beten:
"der Herr ist mein Hirte.....er weidet mich auf einer gruenen Aue und fuehred mich zum frischen Wasser....er fuehret mich auf rechter Strasse...."
dieser Psalm bekam in dieser schon verzweifelten Situation eine ganz neue Bedeutung und gab mir Trost und machte mich doch auch total traurig in einem......!
Ich begegnete dann noch 3 mal feststeckenden LKWs, die einfach im nassen Sand sich festgefahren hatten und konnte doch keinem helfen. Mehr Glueck hatten da die beiden Hirten mit ihrem platten Motorradreifen, den konnte ich flicken und mit meiner Pumpe sogar wieder fahrbar aufpumpen und die beiden konnten ihr Glueck kaum fassen, das ihnen in der einsamen Wueste Gobi wiederfahren ist.......
Gegen Abend wurde der Weg etwas besser und eindeutiger; inzwischen hatte ich mich mit reichlich Wasser eingedeckt. Jedesmal erbettelte ich mir eine Flasche wenn ich ein vorbeikommendes Fahrzeug um den rechten Weg erfragte und so musste ich mir diesbezueglich keine Sorgen mehr machen; zwischenzeitlich hatte ich-als Anhaenger dieser Therapieform- ernsthaft erwogen meinen Urin zu sammeln fuer alle Notfaelle, aber das war nun nicht mehr noetig-auch recht!!
Dann als es anfing zu daemmern suchte ich mir einen Platz zum Naechtigen, erst wollte ich das Zelt aus Bequemlichkeit gar nicht aufstellendoch da kamen mir all die Tierchen in den Sinn die in so einer Gegen so anzutreffen sind und dann ueberlegte ich es mir anderst.
Und das war auch gut so.
Gegen 2:00 Uhr in der Nacht weckte mich heftiger Wind und Donner!
Das Zelt wurde zusammengedrueckt und der Regen prasselte heftig gegen die Plane.
Ich konnte das Zelt im Grunde nicht festmachen oder gar spannen, da die Herige im festen Wuestenboden keinen Halt fanden und nur krumm wurden und so hoffte ich wiedermal einfach nur "das es schon vorbeigehen wird.......irgendwie halt!!"
Und immer wieder kam ein neues Gewitter und immer wieder kam ein neuer Sturm bis zum Morgen und irgendwie ging es jedesmal wieder auch vorbei......!!!!Welch eine Nacht!!!!
Und heute nun wiederholte sich die ein und andere Geschichte von Neuem; mit der Ausnahme dass die Wege besser wurden; doch noch oft stand ich da und wusste nicht wohin und war so Allein und fuehlte mich so verlassen und dann wieder auch nicht denn es kam ja dann irgendwie jemand und es gin weiter und dann war ich wiederum so froh und fuehlte mich geleitet.....welch Wechselbaeder der gefuehel!!!!
Die letzten 40 km dann konnte ich mich hinter einem LKW vollends gut orientieren und so kam ich dann nach 230 Wuestenkilometern hier in Shainsand ziemlich ausgezehrt , aber vorllem sehr froh und erleichtert auch an!!! Und ich schrie mir diese Erleichterung aus dem Koerper heraus als ich die Stadt erblickte und wie sehr habe ich mir in diesem Augenblick, als all diese Anspannung der letzten Stunden von mir wich, jemand gewuenscht der mich einfach nur gedrueckt haette und mich in den Arm genommen haette und bei dem ich ein paar traenen haette weinen duerfen und der vielleicht dann gesagt haette:"es ist ja gut....es ist ja wirklich alles gut"!!!!
Jetzt habe ich mir die beiden Tage von der Seele geschrieben und das ist fast genauso gut und schoen....fast....
Und morgen geht es dann wieder hinaus in die Wueste Gobi, im Regenmonat Juli und das bei um die 33 Grad; aber die naechsten Abschnitte werden bedeutend einfacher und es sind nun nir noch knapp 150 km Wuestenpiste und dann hab ich wieder festen Asphalt und klare Orientierung und mit diesen schoenen und beruhigenden Aussichten sag ich nun "Gute Nacht" aus der Mongolei,
alles Gute und ich pass auf mich auf- versprochen!!!!
shalom
Hartmut